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telc - C1 - Lesen Teil 3 - Wissenschaftler im Film

Lesen Sie den folgenden Text und die Aussagen 13-23. Welche der Aussagen sind richtig, falsch oder gar nicht im Text enthalten? Es gibt jeweils nur eine richtige Lösung. Wählen Sie zum Schluss die passende Überschrift.

1 Die Wissenschaft und ihre Protagonisten sind inzwischen zu Lieblingen der Filmschaffenden avanciert - diesen Eindruck jedenfalls bekommt schnell, wer einmal die großen Kinofilme Revue passieren lässt: Mit Alan Turing und Stephen Hawking wurden innerhalb eines Jahres in „The Imitation Game" beziehungsweise „The Theory of Everything" gleich zwei genialen Forschern monumentale filmische Denkmäler gesetzt, während ein sarkastisch-sympathischer Botaniker und dessen Erfindergeist ins Zentrum des Geschehens auf dem Roten Planeten rückte. Nur wenig früher hatten in „Interstellar" und „Contagion" Wissenschaftler heldenhaft die Menschheit vor der sicheren Auslöschung durch Umweltkatastrophen und Killerviren bewahrt. Und in „Gravity" kämpft die Filmheldin Dr. Ryan Stone nicht nur gegen die Unwirtlichkeit des Weltraums an, sondern auch gegen ihre eigenen Schwächen.

2 All das ist insofern bemerkenswert, als alle westlichen Filmkulturen lange Zeit auf wenige, sich ähnelnde Typen von Wissenschaftlern setzten, die sich von den Anfängen des filmischen Erzählens bis in die Gegenwart hinein kaum verändert haben. Das schmale Spektrum ihrer Charaktereigenschaften reichte vom machtbesessenen Bösewicht bis zur Lachnummer mit wirren Haaren und weißem Kittel. Die Ambivalenzen einer komplexen Persönlichkeit suchte man meist vergeblich.

3 In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle ist der Wissenschaftler im Film ein Verrückter, ein „mad scientist". In seiner bösen, düsteren Ausprägung geht er in geheimen Labors monströsen Forschungsprojekten nach, losgelöst von der Welt und der Kontrolle einer Akademie. Oft experimentiert er an Tieren oder Menschen, züchtet künstliches Leben oder arbeitet auf die Vernichtung der ganzen Menschheit hin. Bösewichte dieser Art begegnen uns als „Dr. No", James Bonds allererstem Gegenspieler, in Stanley Kubricks „Dr. Seltsam", in der Figur des Rotwang in Fritz Langs „Metropolis", der mit einem Maschinenmenschen die Massen aufzuwiegeln versucht, sowie in den zahlreichen Frankenstein-Verfilmungen.

4 Führt der verrückte Wissenschaftler einmal nichts Böses im Schilde, zeitigt sein Forschergeist im Unterhaltungsfilm eben unbeabsichtigt schlimme Folgen - etwa weil ein Experiment schiefgeht oder die Ergebnisse seiner harten Arbeit für einen anderen als den vorgesehenen Zweck verwendet werden. So wird John Hammond in „Jurassic Park" in jenem Moment zum „mad scientist" wider Willen, in dem die von ihm erschaffenen Dinosaurier den Freizeitpark samt Personal und Besuchern verschlingen. Wenig besser ergeht es Dr. Bruce Banner in „The Incredible Hulk", der sich infolge radioaktiver Bestrahlung unversehens in ein gemeingefährliches grünes Monster verwandelt. Ein anderes berühmtes Beispiel ist der Wissenschaftler aus „Die Fliege". Er ist mit einem Experiment zur Auflösung und Wiederzusammensetzung von Materie beschäftigt. Bei einem Selbstversuch gelangt eine Fliege in die zu diesem Zweck erbaute Maschine und sorgt für eine Vermischung der Körper. Der Mann hat plötzlich Kopf und Arme einer Fliege und muss sich von seiner Frau, die ihn aber nur verhüllt sehen darf, versorgen lassen.

5 Kaum schmeichelhafter ist die Rolle, die dem Wissenschaftler in der Komödie zufällt: Dort tritt er, wie beispielsweise Doc Brown in „Back to the Future", typischerweise als schrulliger Professor mit wirrem Haar und weißem Kittel in Erscheinung, der bei aller Tollpatschigkeit aber immerhin eine harmlose, zuweilen liebenswerte Gestalt ist. Nur als Abenteurer dürfen Wissenschaftler im Actionfilm auch einmal in die Rolle des Helden schlüpfen. Die Indiana-Jones-Filme sind ein eindrückliches Beispiel dafür - wenngleich Jones' Ehrgeiz offensichtlich weniger der Archäologie als dem Erbeuten von wertvollen Artefakten gilt.

6 „Im Film gibt es viele schlechte und nur wenige gute Wissenschaftler, aber vor allem nur eine überschaubare Anzahl an Stereotypen", konstatieren deshalb Peter Weingart und Petra Pansegrau von der Universität Bielefeld, die die Darstellung von Wissenschaftlern im Film einer systematischen Untersuchung unterzogen. Tatsächlich sind die Rollenklischees, die Wissenschaftler im Film ausfüllen, aber sehr viel älter als die Filmgeschichte. Sie lassen sich bis in die Literatur des Mittelalters zurückverfolgen, wo der „böse Alchemist" als Prototyp des skrupellosen „mad scientist" in Erscheinung tritt. In beiden spiegelt sich laut Weingart jene Ambivalenz, mit der Wissenschaft und Technik seit je wahrgenommen werden: Forschung weckt Hoffnungen, aber auch tiefgreifende Ängste; sie verspricht Fortschritt und Wohlstand, birgt aber in der öffentlichen Wahrnehmung zugleich große Zerstörungspotenziale.

7 Diese extremen Gegensätze verdichten Literatur und Film in der Figur des Wissenschaftlers. In diesem Sinne manifestiert sich im Stereotyp des „mad scientist" ein gesellschaftlich weitverbreitetes, fundamentales Misstrauen wissenschaftlichen Tätigkeiten gegenüber, das auch damit begründet wird, dass, was einmal gedacht ist, nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Das erklärt auch, warum im Film auch vor allem Mediziner, Physiker und Chemiker als Bösewichte herhalten müssen: Ihre Disziplinen vermögen die Welt zum Guten wie zum Bösen zu verändern und bieten entsprechend viel Raum für Schreckensszenarien. Astronomen und Archäologen hingegen, deren wissenschaftliche Arbeit sich auf das Beobachten beschränkt, fällt im Film die Rolle des Abenteurers zu.

8 Nun kann die Wissenschaft von heute kaum als weniger komplex oder weniger konfliktgeladen gelten als jene vergangener Zeiten. Nach wie vor taugt sie als Lieferant für Szenarien globaler Bedrohung, bieten sich doch Kernkraft, Killerviren, Gen- und Nanotechnologie oder künstliche Intelligenz als Kulisse für filmische Dystopien nach den alten Schemata an. Woran also liegt es, dass Filmschaffende neuerdings einen anderen Umgang mit ihren Wissenschaftlerfiguren pflegen?

9 Nur vordergründig seien die alten Klischees verschwunden, sagt dazu Sven Stollfuss, Medienwissenschaftler an der Universität Bayreuth. Doch sei das Bild bunter geworden, weil stereotype Grundmuster von Filmcharakteren heute stärker vermischt, untereinander „hybridisiert" würden, um die Figuren plastischer erscheinen zu lassen. Dieser Wandel ist laut Stollfuss nicht nur auf Wissenschaftler beschränkt; sondern lässt sich genauso bei anderen Filmfiguren beobachten: Auch Verbrecher sind im Film nicht mehr nur böse, Ärzte geben sich gelegentlich zynisch statt empathisch, und Polizisten müssen nicht mehr laufend den Helden spielen.

10 Diese Entwicklung hänge mit einem allgemeinen Bestreben hin zu einer vielschichtiger angelegten Erzählweise und Storyentwicklung zusammen, sagt Stollfuss. Filmschaffende bemühten sich heute generell um authentischere Charaktere, recherchierten genauer. Aus holzschnittartigen Stereotypen würden dadurch vielschichtige Protagonisten mit jeweils individuellen Zügen.

11 Das heute vorherrschende Stereotyp vom professionellen Wissenschaftler ist demnach das eines Nerds, bei dem fachliche Brillanz mit mehr oder minder schwerwiegenden sozialen Handicaps und einem gewissen Außenseitertum einhergeht - dabei aber Raum für Coolness, Liebenswürdigkeit, ausgeprägten Sarkasmus oder eine Frohnatur lässt. Am deutlichsten zeigt sich das derzeit in aktuellen US-Serien, etwa in den Protagonisten von „CSI - Crime Scene Investigation", die dank wissenschaftlicher Kompetenz in der Verbrechensbekämpfung brillieren. Und „The Big Bang Theory" verleiht gleich einer ganzen Wohngemeinschaft voller Wissenschafts-Nerds Kultstatus.

12 Ganz passé sind die alten Stereotype also nicht. Doch transportieren Wissenschaftler im Film heute keine gezielte, grundsätzliche Kritik am Wissenschaftsbetrieb mehr, wie das bei den „mad scientists" der Fall war. Das mag auch daran liegen, dass die erzählten Handlungen komplexer geworden sind. Drohszenarien gehen kaum noch monokausal von einem Bösewicht aus, sondern werden eher als strukturell bedingt dargestellt: Beispielsweise gelangen die üblen Viren in „Contagion" ganz banal durch Mutation in die Welt, obwohl zum Zeitpunkt der Entstehung des Films das Horrorszenario eines irren Biologen, der ein Killervirus in die Welt setzt, in Wissenschaft und Medien breit diskutiert wurde.

13 Derart befreit von der Rolle des Übeltäters können sich die neuen Wissenschaftler im Film nun ganz auf ihre Laborarbeit konzentrieren - und nebenbei mal eben die Welt retten.

13 In den Unterhaltungsfilmen der letzten Jahre werden Wissenschaftler vorwiegend als skrupellose Bösewichte dargestellt.

14 In Science-Fiction-Filmen verbinden sich archaische Erzähltraditionen mit aktuellen Tendenzen der Wissenschaft.

15 In der Filmgeschichte ist die Bandbreite der Wissenschaftler-Typen ausgesprochen vielschichtig.

16 Der „böse" verrückte Wissenschaftler hat nur ein Ziel: die Weltherrschaft zu erobern.

17 Fiktive Figuren wie Bruce Banner oder Indiana Jones sind in der Öffentlichkeit bekannter als reale Forscherpersönlichkeiten.

18 Die Figur des verrückten Wissenschaftlers hatte bereits im Mittelalter literarische Vorläufer.

19 Reale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kritisieren das Rollenbild des „mad scientist" in Unterhaltungsfilmen.

20 Die Gesellschaft hat auch heute noch ein zwiespältiges Verhältnis zur Wissenschaft und Technik.

21 Der Wandel der Wissenschaftlerfigur ist auf eine generelle Veränderung der Erzählweise im Film zurückzuführen.

22 Heutzutage werden Wissenschaftler im Film zunehmend als sympathische Sonderlinge mit außerordentlicher Fachkompetenz dargestellt.

23 Im Gegensatz zu den „mad scientists" üben moderne Wissenschaftlerfiguren systematisch Kritik an wissenschaftlicher Forschung.

24 Welche der Überschriften trifft die Aussage des Textes am besten?

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