Lesen Sie den folgenden Text. In welchem Textabsatz a-e finden Sie die Antworten auf die Fragen 7-12? Es gibt jeweils nur eine richtige Lösung. Jeder Absatz kann Antworten auf mehrere Fragen enthalten.
Ein Selbstversuch als Hobbybäuerin
a Ich bin stolz auf mich und fühle mich richtig gut, weil ich meine ambitionierten Ziele bis jetzt immer realisieren konnte. Damit meine ich nicht nur die beruflichen Ziele, sondern auch meine privaten, denn diese können ja bekanntlich gleichermaßen anspruchsvoll sein. Wenn ich jetzt nach vielen Jahren Bilanz ziehe, macht mich das Ergebnis sehr zufrieden. Bin ich vielleicht sogar eine Heldin? Diese Frage habe ich mir nun eine Woche lang gestellt. Nicht, weil ich unbedingt mit einer Großtat in die Geschichtsbücher eingehen wollte, sondern vor einer weiteren Herausforderung stehe. Eine selbstauferlegte Aufgabe, die es zu meistern gilt. Ich muss mich bis Ende Oktober entscheiden, ob ich mein Stück Gartenland auch im nächsten Jahr wieder bestellen will. Wenn ja, wird es für mich reserviert, sobald der Frühling kommt. Es liegt vor den Toren Münchens, und ich habe darauf nun einen Sommer lang Gemüse angebaut. Wenn ich Hobbybäuerin bleiben will, muss ich mich bereits jetzt als Ackerheldin für das kommende Jahr anmelden.
b Bin ich nun eine Heldin oder nicht? Nun kann man über meine Leibesstärke diskutieren; ich würde jedenfalls behaupten, meine geistige Stärke ist ausgeprägter. Und besondere Tapferkeit kann ich mir auch nicht wirklich zusprechen. Ich war höchstens eine Heldin der Arbeit, als ich auf dem Acker herumkroch. Menschen, die mich kennen, hätten mich in meinem Outfit nicht wiedererkannt. Ich habe gebuddelt, was das Zeug hielt, und an besonders warmen Tagen konnte ich meinen Körpergeruch selbst kaum ertragen. Mit schwarzen Fingernägeln und zersaustem Haar fuhr ich dann nach getaner Arbeit nach Hause und war froh, dass ich zumindest dazu noch in der Lage war. Ich hatte also die Schlacht gewonnen. Mein Leben habe ich dabei nicht riskiert, höchstens ab und zu meine körperliche Unversehrtheit, wenn die Mücken mal wieder zubissen oder der Muskelkater schmerzte. Immerhin stellte ich mich allwöchentlich dem Kampf gegen einen unerbittlichen Kontrahenten: das Unkraut. So gesehen bin ich zumindest eine Ackerheldin, die den Kampf für sich entscheiden konnte. Häufig siegte aber auch der Acker - über meine Kraft (mehr als zehn Gießkannen Wasser konnte ich bei 30 Grad einfach nicht schleppen) und vor allem über meinen inneren Schweinehund. Wenn ich mich mal nicht aufraffte, zum Feld zu fahren, plagte mich das schlechte Gewissen.
c Einige Freundschaften hat es mich auch gekostet: Ein Freund redet nicht mehr mit mir, seit er zum Unkrautrupfen mitkam. Wir gerieten über die Frage, wie weit man Salat von Radieschen fernhalten sollte, in einen lächerlichen Streit. Eine Freundin, die sich an einem Nachmittag als Erntehelferin beteiligt hatte, wurde von einer Wespe ins Ohr gestochen und musste sich in ärztliche Behandlung begeben. „Du und dein Acker!", schnaubte sie später ins Telefon, „wir sehen uns wieder, wenn die Saison vorbei ist." Andere Freunde riefen mich immer seltener an, weil sie befürchteten, ich könnte sie um Hilfe bitten. In dieser Zeit begann ich immer häufiger über meine Freunde nachzudenken und erkannte den Wert meiner Freundschaften. Sie konnten nicht einmal banalen Dingen standhalten. Nun wusste ich, wie meine sogenannten Freunde tickten. „So ein unzuverlässiges und treuloses Pack", dachte ich mir ganz oft. Mit diesen Subjekten habe ich mal meine Zeit verbracht; welch eine Verschwendung.
d Man muss auch beim Bewältigen der Erntemengen Ideen sprießen lassen, schließlich wird vieles gleichzeitig reif. Und man muss bestimmte Abstriche machen, wenn man nur einmal pro Woche vor Ort sein kann. Das ist wie im wirklichen Leben: Bedenken Sie, dass wir auch im Job gleichzeitig an vielen Projekten arbeiten und uns selten den Luxus gönnen, eine Sache nach der anderen abzuarbeiten. Das gilt natürlich auch für unser Privatleben, wo wir meist mehrere Baustellen haben und oft gar nicht wissen, wo wir anfangen sollen. Was die Abstriche angeht, so verhält es sich nicht anders. Man hat in der Regel immer Zeitdruck und ein begrenztes Budget. Das ist einfach die Realität, ob es uns nun gefällt oder nicht. Ich kann jedem, der sich in solchen Situationen überfordert fühlt, nur raten, nicht zu perfektionistisch an eine Sache heranzugehen. Lernen Sie Kompromisse zu machen und damit zu leben. Mieten Sie sich notfalls einen Garten, so wie ich es gemacht habe. Ich garantiere Ihnen: Sie lernen dabei nicht nur etwas über Gemüseanbau!
e Im Grunde haben wir uns beide heldenhaft geschlagen, der Acker und ich. Er hat mich einen Sommer lang genauso überlebt wie ich ihn. Wenn ich mich nächstes Jahr wieder auf das Abenteuer „Garten" einlasse, will ich es tapfer und aufopfernd tun, aber ich will nachsichtig mit mir sein. Superman hatte ebenfalls einen Bürojob, und er rettete die Welt schließlich auch nicht in eineinhalb Stunden.
Beispiel (0) In welchem Abschnitt möchte die Autorin die Leser unterhalten? → b
7 In welchem Abschnitt ist die Autorin belehrend?
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12 In welchem Abschnitt will sich die Autorin profilieren?
