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Goethe - C2 - Lesen Teil 2 - Die Klarheit im Denken erhöhen

Sieben der folgenden Aussagen entsprechen dem Inhalt des Artikels „Die Klarheit im Denken erhöhen". Ordnen Sie die Aussagen den jeweiligen Textabschnitten (11-16) zu. Eine Aussage ist bereits als Beispiel markiert und zugeordnet. Zwei Aussagen passen nicht.

z Kenntnisse in Philosophie ermöglichen es uns, heutige gesellschaftliche Zustände klarer zu erkennen und zu deuten.
a Philosophen können zur Versachlichung gesellschaftlicher Diskussionen beitragen.
b Auf grundlegende Fragen der Philosophie hat man bis heute keine Antwort gefunden.
c Philosophie fragt nach dem Zweck des Daseins und nach Formen der menschlichen Gemeinschaft.
d Die Arbeit an äußerst theoretischen Definitionen und Begrifflichkeiten ist ein Teil der Philosophie.
e Philosophen verstehen sich in erster Linie als Erklärende, nicht als Urteilende und Bewertende.
f Die Philosophie kann dabei helfen, vernünftige Anliegen durchzusetzen.
g Philosophie erachtet Diskussionen und Verunsicherung als positiv für die Urteilskraft.
h Gegenwärtig gesellschaftlich relevante Themen stehen ebenfalls im Fokus der Philosophie.

Die Klarheit im Denken erhöhen

Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was kann ich hoffen? Diese drei Fragen stellte im 18. Jahrhundert der deutsche Philosoph Immanuel Kant. Philosophen staunen, hinterfragen, definieren und bewerten, ordnen ein.

(0) z Politische Philosophen wie Thomas Hobbes, Jean-Jacques Rousseau und Immanuel Kant haben über die Legitimationsgrundlagen staatlicher Autorität geschrieben, über den Menschen in der Gesellschaft, über Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und die Prinzipien des Staatsrechts. Die Idee der Gewaltenteilung verdanken wir der Philosophie. Schon Aristoteles hat den Menschen als Gemeinschaftswesen beschrieben und - wie auch Platon - die Grundfragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens erörtert. Wer diese geistesgeschichtlichen und philosophischen Grundlagen kennt, kann besser verstehen, was unser modernes Staatsverständnis geprägt hat, und er bekommt einen schärferen Blick auf das politische Tagesgeschehen.

11 „Philosophie" kann man übersetzen mit „Liebe zur Weisheit". Weisheit ist etwas anderes als Klugheit. Von Klugheit oder Rationalität sprechen wir, wenn es darum geht, ein gegebenes Ziel effizient zu erreichen. Wer das tut, handelt rational. Weisheit bedeutet, dass man erkennt, welche Ziele es wert sind, verfolgt zu werden. Weise Menschen überzeugen dadurch, dass sie aufgrund ihrer Lebenserfahrung und intensiven Reflexionen begründen können, worauf es ankommt, wenn man ein gutes Leben führen möchte. Das ist ursprünglich auch die Idee der Philosophie gewesen: dass Menschen über ihr Menschsein nachdenken, darüber, wie sie ihr Zusammenleben gestalten wollen, dass sie über die Welt reflektieren.

12 Philosophische Erkenntnis formt sich wesentlich in der Kontemplation, der konzentrierten Reflexion und der intensiven Auseinandersetzung mit Argumenten. Aber sie braucht auch den Dialog, die Auseinandersetzung im Gespräch. So hat sie in der Antike stattgefunden: Der griechische Philosoph Sokrates ist in Athen mitten ins Leben gegangen, um sich mit den Menschen zu unterhalten. Sokrates hat ihnen auf dem Marktplatz Fragen gestellt: Wie denkst du über Gerechtigkeit? Was ist besser: Unrecht leiden oder Unrecht tun? Die Menschen diskutierten mit ihm und er machte sie darauf aufmerksam, dass ihre Überzeugungen widersprüchlich oder lückenhaft seien. Häufig hat er seine Gesprächspartner verwirrt oder auch verärgert. Das war Teil des Vorhabens: Dadurch hat er einen Prozess der Selbstreflexion in Gang gesetzt. Auch Verwirrung kann ein Impuls zum Nachdenken sein.

13 Philosophie als wissenschaftliche Disziplin besteht aus zwei Komponenten. Da ist die philosophische Grundlagenforschung. Sie ist hoch abstrakt und manchmal sehr kompliziert und wie jede andere Wissenschaft nicht immer für jeden verständlich. Die Grundlagenforschung beschäftigt sich mit philosophischen Fragen wie: Wie kommt die Bedeutung sprachlicher Ausdrücke zustande? Was ist Wahrheit? Lässt sich das Verhältnis von Körper und Geist adäquat beschreiben? Dazu gehören verschiedene Bereiche der Wissenschaftsphilosophie, wie etwa die Philosophie der Physik, in der man sich mit der Struktur, der Terminologie und den Grundannahmen wissenschaftlicher Theorien auseinandersetzt und versucht, ein vertieftes philosophisches Verständnis wissenschaftlicher Erkenntnisse und Methoden zu gewinnen.

14 Die Angewandte Philosophie beschäftigt sich mit Fragen, die aus der Gesellschaft oder aus der Wissenschaft an sie herangetragen werden. Dazu gehören solche, die sich vor dem Hintergrund technischen oder medizinischen Fortschritts ergeben. Ist die Präimplantationsdiagnostik moralisch zulässig? Darf man mit Stammzellen forschen? Zudem stellen sich Fragen zu aktuellen politischen, wirtschaftlichen oder sozialen Entwicklungen: Ist staatliche Verschuldungspolitik mit der Gerechtigkeit gegenüber zukünftigen Generationen vereinbar? Was genau macht Religionsfreiheit aus? Sind wir moralisch verpflichtet, Notleidenden in anderen Ländern zu helfen - und in welchem Umfang?

15 Die Angewandte Philosophie behandelt auch Fragen, die sich vor dem Hintergrund der Entwicklung anderer Wissenschaften ergeben. Ein viel diskutiertes Thema ist zurzeit die Synthetische Biologie. Ihr gegenüber wird häufig der Vorwurf erhoben, man würde Gott spielen, weil man dort neue Formen des Lebens herstellen könne. Philosophen haben die Aufgabe, derartige Schlagwörter, mit denen gerade neue Entwicklungen in Wissenschaften gern betitelt werden, kritisch zu hinterfragen. So können sie manchmal helfen, vorschnelle Emotionen durch Erkenntnis zu ersetzen: hinter die Kulissen zu schauen und schließlich zu einer kritischen, möglichst gut durchdachten Gesamteinschätzung zu kommen - aus wissenschaftstheoretischer und aus ethischer Sicht.

16 Eine der Hauptaufgaben der Philosophen ist es, unvoreingenommen Argumente aufzuzeigen, darzustellen, welche Gesichtspunkte im Spiel sind und welchen Stellenwert sie haben könnten. Es geht nicht darum, inhaltlich vorzugeben, was richtig und was falsch ist. Weder innerhalb noch außerhalb des akademischen Kontextes ist dies das zentrale Anliegen philosophischer Tätigkeit. Das wissenschaftliche Interesse der Philosophen ist vielfältig: Während viele Philosophen intensiv in der Grundlagenforschung arbeiten, haben andere ein Interesse daran, das, was die Philosophie leisten kann, nach draußen zu tragen. Sie wollen brisante aktuelle Fragen gemeinsam mit Medizinern, Ökonomen, Juristen oder anderen Wissenschaftlern erörtern.

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