Sie interessieren sich für die aktuellen Entwicklungen auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Zu dieser Thematik haben Sie jetzt einen Bericht gefunden. Lesen Sie den Text und beantworten Sie danach die Fragen kurz, in Stichworten (wie im Beispiel).
Jobmarkt für Absolventen
Willkommen auf dem Bewerbemarkt. Die Lage ist derzeit unvergleichlich besser als in den Vorjahren. Doch nicht jeder bekommt ein attraktives Angebot, auch wenn den rund 275.000 Uni- und Fachhochschulabsolventen in diesem Jahr etwa die gleiche Zahl Einstiegsjobs angeboten wird. Dabei zeigen sich künftige Arbeitgeber inzwischen sehr flexibel. In der Regel sind Unternehmen heute schon zu Kompromissen in Sachen Examensnote oder Studienfach bereit. Wichtiger geworden scheinen aber Person und Persönlichkeit.
Wer jedoch in seinem noch kurzen Lebenslauf schon einen Burnout anführt oder wer im Vorstellungsgespräch Kommunikationsprobleme zeigt, hat es auch mit einem gefragten Abschluss schwer. Beste Chancen auf einen angebotenen Job hat - auch mit mäßigen Noten -, wer Belastungen standhalten kann und über ein ausgeprägtes Durchsetzungsvermögen verfügt. Außerdem schadet es nie, wenn man dazu noch das Gefühl auslöst, man passe gut ins Team. „Persönlichkeit und Noten gehen oft weit auseinander", beobachtet Thorsten Grenz. Er stellt pro Jahr 15 bis 20 Absolventen ein und ihn ärgert vor allem, dass manche Bewerber zwar gute Noten vorweisen, aber arrogant auftreten. Für ein Unternehmen ist jedoch sehr wichtig, dass neue Mitarbeiter sich reibungslos integrieren.
Es ist offenbar schwieriger geworden, gute Leute zu finden. Dabei macht sich ein doppelter Effekt bemerkbar. Heute werden mehr gut ausgebildete Arbeitskräfte gesucht, gewünscht sind vor allem die frisch gebackenen Absolventen. Zugleich wirkt bereits der demografische Faktor: Die Zahl der jungen Menschen in Deutschland sinkt. Das spürt man auch in den Betrieben. Im Frühjahr hat eine Umfrage bei 530 deutschen Arbeitgebern ergeben, dass mehr als zwei Drittel Probleme haben, ihre freien Stellen mit Nachwuchskräften zu besetzen. „Die Absolventen sind sich bewusst, dass sie im Moment gesucht werden. Das schlägt sich in den Erwartungen nieder. Die Bewerber sind deutlich fordernder geworden", sagt Angelika Inglsperger von der AGCS (einer Tochter-Firma der Allianz). Dabei geht es den jungen Leuten nicht in erster Linie um ein möglichst hohes Gehalt, sondern eher um Weiterbildung und Karriereperspektiven, beobachtet die Personalmanagerin: „Wenn Sie ein gutes Programm bieten, müssen Sie kein Spitzengehalt zahlen, dann reicht der übliche Satz." Bei der AGCS bekommen Einsteiger in Deutschland je nach Qualifikation ein Jahresgehalt zwischen 45.000 und 52.000 Euro. Dafür erwartet das Unternehmen einen Masterabschluss. Der Studienabschluss als Bachelor ist für viele Firmen in Deutschland noch nicht attraktiv. Die Absolventen haben zu wenig praktische Erfahrungen und brauchen zu lange, bis sie im Arbeitsalltag einsetzbar sind. Aufmerksam beobachtet Angelika Inglsperger die ständig sinkende Zahl an Berufseinsteigern: „Im Bereich IT herrscht zurzeit besonders großer Mangel, Finanzen geht noch." Das Institut der deutschen Wirtschaft bekundete zudem im Juli dieses Jahres einen relativ großen Nachfrageüberschuss nach Absolventen der sogenannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik).
Auch für Studenten aus Fachrichtungen wie Soziologie und Biologie, in denen es normalerweise an Bewerbern nicht fehlt, ist die Situation auf dem Arbeitsmarkt derzeit eher günstig. Arbeitsuchende aus diesen Richtungen sollten vor allem darauf achten, ihre persönlichen Stärken und Vorlieben rechtzeitig zu erkennen und auszubilden. Das geht in der Ausbildung mit Hilfe von Spezialisierungen und besonders natürlich durch richtig gewählte Praktika. Darüber hinaus ist ein „internationales Profil" gefragt. Das umfasst nicht nur Fremdsprachenkenntnisse, sondern auch Flexibilität in Bezug auf den möglichen Einsatzort und im Optimalfall schon berufliche Erfahrung im Ausland. Und auf solche Anforderungen des Arbeitslebens richten sich Studenten und Studentinnen besser von Anfang an ein, nicht erst am Ende des Studiums.
Beispiel: Wie ist die Jobsituation im Vergleich zu früher? → unvergleichlich besser
1 In welchen Bereichen zeigen Arbeitgeber oft Entgegenkommen?
2 Welche wichtigen Eigenschaften erwarten Betriebe von Bewerbern?
3 Was sollte man bei Bewerbungsgesprächen lieber vermeiden?
4 Worauf lässt sich der Mangel an Nachwuchskräften zurückführen?
5 Welcher Faktor steht für Berufsanfänger bei Verhandlungen nicht unbedingt im Mittelpunkt?
6 Welcher akademische Grad gewährt bessere Chancen bei der Jobsuche?
7 In welcher Fachrichtung gibt es die größten Probleme mit fehlendem Nachwuchs?
8 In welchen Fächern gibt es traditionell sehr viele Absolventen?
9 Welche Elemente des Studiums helfen, die eigenen Talente zu entwickeln?
10 In welcher Phase des Studiums sollte man sich über die Bedingungen des Arbeitsmarktes klar werden?
