In unserem Alltag gibt es viele „Wahrheiten", die jeder Mensch kennt. Oft stimmen sie nicht und werden trotzdem immer wieder verbreitet. Lesen Sie den Artikel. Ordnen Sie danach den Textabschnitten die passenden Teilüberschriften (A-M) zu.
A UNTERSCHIEDLICHE VORSTELLUNGEN VON UNSEREM PLANETEN
B FEHLERHAFTE AUFFASSUNGEN ALS ANTRIEB FÜR NEUES WISSEN
C VERMEINTLICHE AUSLÖSER VON BESCHWERDEN IM GEBISS
D ANGEBLICHE STURZGEFAHR FÜR SEELEUTE
E DIE WAHRHEIT ÜBER PLATONS IRRTUM
F EIN WISSENSCHAFTLER UND SEINE BEWEISE GEGEN EINE WEITVERBREITETE ANNAHME
G FALSCHE VORSTELLUNGEN ÜBER INHALTSSTOFFE IN LEBENSMITTELN
H EISENGEHALT VON SPINAT UNÜBERTROFFEN
I KOMISCHE FEHLER SIND NICHT SELTEN
J KLARHEIT ÜBER DIE FORM DER ERDE
K DIE POSITION UNSERES PLANETEN IM ALL
L FALSCHE EINSCHÄTZUNG VON DER DISTANZ ZWISCHEN KONTINENTEN
M URSPRUNG DER UNWAHREN BEHAUPTUNGEN ÜBER DIE FORM DER ERDE
Wissen macht Spaß
Beispiel (0) Manches gilt als sicher, bis jemand das Gegenteil beweist. Vom gesunden Spinat bis zur Erdscheibe - menschliches Wissen war und ist voller Fehler. Einige von ihnen sind sogar ziemlich lustig. → I
(1) Die Erde ist eine Scheibe. Schiffe, die zu weit aufs Meer hinaus fahren, sind deshalb in Gefahr, über den Rand der Scheibe zu fallen. Tausende Jahre herrschte dieser Glaube, er bestimmte das Denken der Menschheit bis ins Mittelalter.
(2) Das denkt man. Und täuscht sich dabei selbst: Schon seit Platon, also etwa 400 Jahre vor Christus, ist allen Gelehrten und Seefahrern in Europa bekannt, dass unser Planet kugelförmig ist. Wenn auch viel später, aber dennoch hat auch die Kirche die Wahrheit über die Erdgestalt akzeptiert.
(3) Solche Irrtümer gab es immer wieder. Die meisten Fehler waren natürlich eher harmlos: Weil ein Schweizer Physiologe zum Eisengehalt von Spinat falsche Angaben machte, wurde Generationen von Kindern die grüne Speise gegeben. In Wirklichkeit enthält sogar Kakaopulver prozentual mehr von dem lebenswichtigen Blutbaustein als Spinat. Geschadet hat das aber sicherlich den Wenigsten. Jahre später rechnete jemand nach, und der Spinat-Mythos wurde aufgeklärt.
(4) Andere Irrtümer halten sich wesentlich hartnäckiger. Die größten Fehleinschätzungen entstanden im Zusammenhang mit den grundlegenden Fragen, zum Beispiel nach der Beschaffenheit und Form der Erde. Manche frühe Völker glaubten an eine flache, andere an eine tellerförmige oder gar viereckige Erde.
(5) „Aber die allgemein bekannte Behauptung, dass noch das mittelalterliche Weltbild von einer Scheibe ausging, ist völliger Unsinn", sagt Reinhard Krüger. Der Romanistikprofessor an der Universität Stuttgart trägt seit 15 Jahren historische Belege dafür zusammen, dass die Kugelform der Erde Naturforschern und Kaufleuten schon seit mehr als 2000 Jahren bekannt ist.
(6) Dass die Erde noch im 13. Jahrhundert als tellerförmig galt, geht auf das Zeitalter der Aufklärung zurück. Damals wollte man sich vom „dunklen Mittelalter" abgrenzen. Diese Theorie wurde in der Geschichtsschreibung anschließend übernommen und schaffte ihren Weg bis in die Schulbücher des 20. Jahrhunderts.
(7) Weitaus länger hielt sich, trotz widersprechender Beobachtungen, die Vorstellung von der Erde als Mittelpunkt des Universums. Schon im dritten Jahrhundert vor Christus hatte der griechische Astronom Aristarch von Samos erkannt, dass nicht die Sonne sich um die Erde dreht, sondern umgekehrt. Doch erst im 16. Jahrhundert konnte Nikolaus Kopernikus diese Theorie bekannt machen.
(8) Falsche Annahmen waren zuweilen sogar echte Motoren des Fortschritts. Die im 17. Jahrhundert entstandene Ätherhypothese, die besagt, dass alle scheinbar leeren Räume von einer unsichtbaren Materie, dem Äther, ausgefüllt sind, war falsch. Sie führte aber trotzdem zur Formulierung richtiger neuer Erkenntnisse, zum Beispiel für die Gesetze der Lichtbrechung.
(9) Kolumbus konnte Amerika entdecken, weil er dachte, dass die Erde kugelförmig ist und ihr Umfang 30.000 Kilometer beträgt. In Wirklichkeit sind es 40.000 km. Die Strecke von Portugal bis nach Asien unterschätzte Kolumbus deswegen um über 10.000 Kilometer. Sonst hätte er sich nie auf die lange Reise gemacht, die 1492 letztlich für die Europäer einen neuen Erdteil bekannt machte.
(10) Nicht nur in Europa, sondern auf dem neu entdeckten Kontinent gab es einige seltsame Vorstellungen. Wie schon im alten Ägypten und im antiken Griechenland war etwa bei den Mayas für Schmerzen in den Zähnen eine schauerliche Erklärung verbreitet: Ursache von Zahnschmerzen, so glaubte man, sind Zahnwürmer, die sich von innen durch den menschlichen Mund fressen. Dieser Glaube hielt sich selbst in Europa bis ins 19. Jahrhundert.
