Lesen Sie den Text und die Aufgaben 18-24. Kreuzen Sie bei jeder Aufgabe die richtige Lösung an.
Menschliche Kommunikation
Warum haben unsere Vorfahren einst begonnen, miteinander zu sprechen? Die Sprache ist das, was uns Menschen von allen anderen Lebewesen unterscheidet. Und doch ist es noch immer ein Rätsel, wie die ersten Wörter entstanden sind.
Lange kümmerte sich die Forschung kaum um den Ursprung der Sprache, weil man sich mit den bisherigen Theorien zufrieden gab. Erst seit den 1990er Jahren wurden die alten Theorien in Zweifel gezogen, z. T. auch massiv kritisiert, so dass sich Forschungsinstitute immer intensiver mit dieser Frage beschäftigten. So entstand Anfang 2010 an der Universität Wien ein neuer Studiengang „Kognitionsbiologie" und einer der weltweit renommiertesten Experten für die Entwicklung der Sprache wurde dorthin berufen, der amerikanische Biologe Fitch, der in seinen fachübergreifenden Studien eng mit Medizinern, Evolutionsbiologen und Sprachwissenschaftlern zusammenarbeitet. Bei den Studenten ist das Thema „Ursprung der Sprache" allerdings noch nicht angekommen. Dies zeigen die niedrigen Studentenzahlen des neuen Studiengangs.
Die Kernfrage der Forschung ist: Seit wann sprechen Menschen überhaupt? Gesprochene Sprache hinterlässt keine Spur, und die ältesten Schriftstücke aus der sumerischen Hochkultur in Südmesopotamien sind lediglich 6000 Jahre alt. Die biologischen Voraussetzungen, Sprache zu lernen, waren vermutlich sehr früh angelegt, denn alle Menschen kommunizieren mithilfe von Sprache - unabhängig von ihren Lebensbedingungen und ihrem Talent. Darwin ging in seinen umfangreichen sprachwissenschaftlichen Beiträgen weiter. Er fragte sich, warum sich Sprache beim Menschen überhaupt entwickelt hat. Er glaubte, dass die Sprache aus dem Gesang entstanden sei, mit dem unsere Vorfahren um einen geeigneten Partner zur Fortpflanzung warben.
Lange schenkte man dieser Theorie Darwins wenig Beachtung. Sprache untersuchten im 19. Jahrhundert vor allem Philologen. 1866 wurde in Paris eine linguistische Gesellschaft gegründet. Ihren Mitgliedern war verboten, darüber zu diskutieren, wie Sprache entstanden sei, denn die Theorien seien reine Spekulation und nicht zu beweisen. So beschränkten sich die Linguisten darauf, die Systeme aller Sprachen weltweit, ihre Regeln und ihre Verwandtschaftsverhältnisse zu untersuchen.
Mittlerweile liegen viele umfangreiche Untersuchungen zum Ursprung der Sprache vor, dennoch sind viele Fragen bis heute die gleichen geblieben: Waren zunächst Laute da, die sich erst allmählich zu einer komplexen Sprache entwickelten oder kommunizierten die Menschen zunächst durch einfache Gesten, bevor sie anfingen, sich durch Laute zu verständigen und eine komplexe Sprache herauszubilden?
Ein Blick auf unsere nächsten Verwandten, die Menschenaffen, die ausschließlich durch Gesten kommunizieren, wirft weitere Fragen auf. Warum haben sich die Urmenschen mit Gesten nicht zufrieden gegeben? Was hat sie dazu bewogen, sich durch Laute zu verständigen?
Eine der Theorien besagt, dass die Herausbildung der Laute bei Menschen durch das Baby-Mutter-Verhältnis beeinflusst wurde. Anders als unsere nächsten Verwandten konnten sich menschliche Säuglinge nicht am Körper ihrer Mutter festhalten. In der Frühzeit mussten Mütter ihre Kleinkinder bei der Arbeit ablegen. Sie konnten sie dabei nicht immer im Auge behalten, und deshalb entwickelten sie zur Beruhigung der Kleinen die ersten Ansätze einer Sprache. Diese Äußerungen waren zunächst noch ohne konkrete Bedeutung und dienten ausschließlich dem Beruhigen eines Kleinkindes - und nicht etwa der Paarung oder der Verteidigung des Reviers, wie manche Wissenschaftler glauben. Auch Kinder signalisieren ihre Bedürfnisse seit jeher durch Laute. Körperkontakt ist für ihre weitere Entwicklung äußerst wichtig. Wenn sie diesen Kontakt vermissen, machen sie durch lautes Schreien oder Rufen auf sich aufmerksam. Aus diesem gegenseitigen Bedürfnis nach Kommunikation hat sich die so genannte „Ammensprache" entwickelt, also die Art und Weise, wie Erwachsene mit Babys kommunizieren. Trotz mancher kultureller Abweichungen weist sie in allen Regionen der Welt auffällige Ähnlichkeiten auf. Diese Universalität sehen manche Wissenschaftler als Beweis dafür, dass die „Ammensprache" sehr früh entstanden sein muss.
Dank neuerer Forschungsmethoden ist es heutzutage möglich, die Funktionen des Gehirns über Bild- und Sprechimpulse genau zu beobachten und so zu erforschen, welche Regionen des Gehirns z. B. Singen, Sprechen, Fühlen und Sich-Erinnern ermöglichen. Da das Gehirn des Urmenschen noch sehr klein war, war noch kaum Platz für eine solche komplexe Aufteilung vorhanden, schon gar nicht für ein ausgeprägtes Sprachzentrum. Das bildete sich erst ganz allmählich im Laufe der Evolution heraus. Schon aus diesem Grund kann am Anfang die Kommunikation nur über Gesten erfolgt sein. Einen noch sichereren Aufschluss wird die Genetik liefern, denn schon heute werden immer mehr Gene isoliert, die eindeutig mit Lautäußerungen und Gesten zu tun haben. Schon in naher Zukunft werden wir wissen, wie die Evolution der Sprache verlaufen ist. Denn in allen Genen entstehen Mutationen. Ihre Anzahl ist abhängig vom Alter der Erbanlagen. So wird man ermitteln können, welche Gene zuerst entstanden sind: die der Lautäußerungen oder die der Gesten.
Endlich wird dann ein jahrhundertelanger Wissenschaftsstreit zu einem erfolgreichen Abschluss finden.
18. Das neue Interesse am Ursprung der Sprache äußert sich darin, dass
19. Darwin wies darauf hin, dass die gesprochene Sprache
20. Die Linguisten des 19. Jahrhunderts
21. Heutige Sprachwissenschaftler erforschen die
22. In der Frühzeit beruhigten Mütter ihre Babys, indem sie
23. Die zukünftige Wissenschaft wird laut Text Erkenntnisse darüber liefern,
24. Der Text beschäftigt sich vor allem mit
