Lesen Sie den Text und die Aufgaben 18-24. Kreuzen Sie bei jeder Aufgabe die richtige Lösung an.
Alternative Heilmethoden
Vier von zehn Deutschen zeigen völlig unklare Krankheitsbilder und 80 Prozent des Gesundheitsbudgets werden für deren Behandlung ausgegeben - oft ohne Fortschritte zu erzielen. Im Gegenteil: Die hochwirksamen Medikamente der Schulmedizin wie Cortison oder bestimmte Anti-Rheumamittel bekämpfen zwar kurzfristig erfolgreich die Symptome, belasten aber langfristig den Organismus, ohne die Grunderkrankung zu kurieren. Hier sieht die Integrative Medizin ihre Stärke: mithilfe von Naturheilverfahren die Selbstheilungskräfte des Körpers zu stärken. Dafür muss sich jedoch die Lebensweise der meisten Patienten grundlegend ändern.
Vier Liter Cola habe er täglich getrunken, gesteht z. B. der Patient Heinz Wolf, dazu Dutzende Tassen Kaffee, und zwei Schachteln Zigaretten geraucht. Nicht nur von Koffein und Nikotin sei er abhängig, sondern auch von zahllosen Schmerzmitteln. Die nimmt er gegen seine chronische Migräne, die ihn immer wieder mit heftigen Schmerzattacken überfällt. Doch die Präparate wirken bei ihm längst nicht mehr richtig - und sie zerstören langsam, aber sicher die Funktion seiner Nieren und der Leber. „Ich bin fertig", sagt er. „Wenn die mir hier nicht helfen können ..." Neuerdings lässt er sich in einer Essener Spezialklinik behandeln, die auf alternative Behandlungsmethoden setzt, z. B. auf Akupunktur und Naturheilmethoden. Heinz Wolf hat gelernt, dass ein Medikament aus den Blüten und Blättern der Pestwurz einem Migräneanfall vorbeugen kann. Jeden Morgen lässt er sich zur Kräftigung seines Nervensystems zudem in feuchtwarme Brustwickel packen, abends legt er sich unter eine warme Decke, um sich gezielt zu entspannen. Statt Cola und Kaffee trinkt er nun Wasser und Kräutertee.
Für viele chronische Schmerzpatienten ist die Essener Klinik so etwas wie die letzte Hoffnung, denn Schulmedizinern gelten sie oft als „austherapiert" - was nichts anderes heißt als: keine weitere Idee, nichts mehr zu machen. Anfangs, als die Skepsis der niedergelassenen Ärzte in der Umgebung groß war, schickten sie gern diese schwierigen Patienten in die Essener Klinik, nur um sie so loszuwerden. Inzwischen aber raten viele Mediziner: „Versuchen Sie es mal mit der Naturheilkundeklinik", vielleicht habe man dort mehr Erfolg. „Es gibt Kranke bei uns, die schlucken mehr als ein Dutzend unterschiedliche Tabletten am Tag", sagt Gustav Dobos. „Da sind die Nebenwirkungen oft schlimmer als die Grundleiden." Daher versuchten er und sein Ärzteteam, starke Mittel so weit wie möglich durch pflanzliche Substanzen mit geringen Nebenwirkungen zu ersetzen.
Doch das allein reicht nicht: Den Patienten wird auch vermittelt, wie sie ihre Selbstwahrnehmung schärfen können, um rechtzeitig zu erkennen, wann und wie ihr Körper auf Stress - eine entscheidende Ursache vieler Krankheiten - reagiert. Sie lernen, dass chronische Leiden fast immer eine Geschichte haben, die mit ihrer Lebensweise zusammenhängt. „Achtsamkeit", diesem Begriff begegnen die Patienten in den Gruppensitzungen der Ordnungstherapie: der Lehre, mit sich selbst vernünftig umzugehen und den Alltagsstress zu vermindern.
Anna Paul leitet diesen Bereich. Die frühere Yogalehrerin hat in den USA Gesundheitswissenschaften studiert und sich dort als Wissenschaftlerin mit der „Salutogenese" beschäftigt. Salutogenese hat die vorherrschende Fragestellung nach der Ursache von Krankheit umgedreht - und stattdessen nach den Quellen der Gesundheit geforscht. Für Anna Paul geht es in erster Linie um das Grundvertrauen eines Menschen zu sich selbst - darum, dem Leben Sinn zu verleihen und zu erkennen, wie er sein Schicksal aus eigener Kraft in die Hand nehmen kann.
Patienten erfahren zum Beispiel, wie Schmerz entsteht, und weshalb er sich in einer Art Körpergedächtnis chronisch verfestigen kann - selbst wenn die organische Ursache verschwunden ist. Sie lernen, was sie unter Verzicht auf Medikamente gegen Schmerz tun können, bekommen Anleitungen für Bäder oder zu neuen Atemtechniken. Sie sprechen in Kleingruppen über ihren Alltag, über gemeisterte Rückschläge, über ihre Zukunft und motivieren sich so gegenseitig.
Bei etwa jedem achten Patienten versagen die Methoden der Integrativen Medizin allerdings und es lässt sich nicht vorhersehen, bei wem das so ist. Bei den meisten anderen Patienten merke man oft um den fünften Tag eine Besserung, dann sind die Selbststeuerungskräfte des Organismus angesprungen. Die positiven Effekte halten allerdings nur an, wenn die Patienten auch im Alltag ihren Lebensstil ändern.
Moderne neurowissenschaftliche Theorien gehen davon aus, dass das Gehirn ständig die komplexen Regelkreise im Körper bewertet und dabei versucht, Entgleisungen entgegenzuarbeiten. Diese „Homöodynamik", das permanente Streben nach einem Gleichgewicht der Kräfte, sehen manche Hirnforscher als wichtiges Regulativ eines Organismus. Das könnte die Ursache dafür sein, weshalb ganzheitliche Therapien so erfolgreich sind: Sie sprechen auch die emotionalen Zentren im Gehirn an, die wir nicht bewusst steuern können, die wir aber brauchen, um die Regelkreise des Organismus in Gang zu bekommen. Damit ließe sich möglicherweise auch die Wirkung der Akupunktur erklären. Forscher haben lange Zeit vergebens nach speziellen Kanälen in der Haut gesucht, welche die Nadelreize weiterleiten. Inzwischen geht man aber davon aus, dass in den meisten Fällen allein die leichte Stimulierung der Haut und der dadurch ausgelöste Schmerzreiz ausreichen, um - wiederum über die Rückkopplung durch das Gehirn - die Selbstheilungskräfte des Organismus anzuregen.
18. Der Patient Heinz Wolf
19. In der Essener Spezialklinik behandelt man Heinz Wolf mit
20. Der Begriff „austherapiert" bedeutet, dass die Schulmedizin
21. Der Wissenschaftlerin Anna Paul geht es hauptsächlich darum,
22. Ein Mangel der Integrativen Medizin ist, dass sie
23. Die therapeutische Wirkung der Akupunktur beruht auf der
24. Im Text geht es hauptsächlich um
