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TestDaF - C1 - Leseverstehen 3 - Schutz für Bücher

Übung im Format des TestDaF, Leseverstehen Aufgabe 3. Lesen Sie den Text und entscheiden Sie bei jeder Aussage, ob sie zutrifft, nicht zutrifft oder ob der Text dazu nichts sagt.

Schutz für Bücher

Handschriften und alte Drucke gehören zum kulturellen Erbe, und in immer mehr Staaten wird darauf geachtet, besonders wertvolle Stücke für kommende Generationen zu bewahren. In Deutschland richtete die Bundesregierung 2011 auf Anregung des Kulturstaatsministers eine Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts, kurz KEK, ein. Den Anstoß dazu gaben zwei Katastrophen: der Brand in der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar und der Einsturz des Kölner Stadtarchivs. In beiden Fällen ging eine kaum zu beziffernde Menge an Büchern verloren oder wurde beschädigt. Allein die Kölner Schäden werden rund 200 ausgebildete Fachkräfte bis zu fünf Jahrzehnte lang beschäftigen. Die KEK organisiert jedoch nicht nur solche Großvorhaben, sondern soll auch dafür sorgen, dass sich Vergleichbares nicht wiederholt. Darüber hinaus ist es ihre Aufgabe, Wege aufzuzeigen, wie sich schriftliches Kulturgut künftig besser sichern lässt - im Mittelpunkt steht dabei, neuartige Verfahren zur Konservierung von Papier zu entwickeln und bekannt zu machen.

Solche Verfahren werden dringend gebraucht, denn Bibliotheken und Archive kämpfen täglich mit Verfall. An 80 Millionen Druckwerken in deutschen Bibliotheken sind Schäden festzustellen. Der Zeitfaktor spielt dabei eine große Rolle, weil organische Stoffe wie Papier ohnehin altern. Hinzu kommen chemische Vorgänge mit verheerender Wirkung. Ein Beispiel ist die bis ins 19. Jahrhundert übliche Eisengallustinte: Sie greift das Papier an und zersetzt es nach und nach - man spricht vom „Tintenfraß". Auch Schimmel setzt vielen Schriftstücken zu, wenn sie in feuchten Räumen unsachgemäß gelagert werden. Die größten Sorgen bereiten den Restauratorinnen und Restauratoren dabei nicht etwa die ältesten Bestände, sondern alles, was ab den 1850er Jahren hergestellt wurde. Mit der Industrialisierung stieg der Papierbedarf sprunghaft, und die Produktion musste billig sein. Deshalb setzte man dem Papier säurehaltige Stoffe zu, die den Holzstoff im Laufe der Jahrzehnte angreifen. Durch Entsäuerung lässt sich dieser Zerfall nach Einschätzung von Fachleuten zwar verlangsamen, aufhalten aber nicht.

Seit ihrer Gründung hat die KEK über hundert Vorhaben zur Bestandserhaltung angestoßen, eines davon im Medizinhistorischen Museum der Charité in Berlin. Dort liegen im Depot 46 Protokollbände des Arztes Rudolf Virchow aus den Jahren 1856 bis 1902. Virchow, der als Begründer der modernen Pathologie gilt, konnte mit naturwissenschaftlichen Methoden zeigen, dass Erkrankungen biologische Ursachen haben, und begründete darauf seine damals wegweisende Zellularpathologie. Was er an bis zu 1.400 Patienten jährlich beobachtete, hielten seine Assistenten schriftlich fest, zunächst sorgfältig auf losen Bögen, die man später zu Bänden band. Trockenheit und Tintenfraß haben allerdings dazu geführt, dass zahlreiche Seiten heute kaum noch zu entziffern sind und die Ledereinbände weitgehend zerfallen.

Absehbar wird sich mit Virchows Bänden gar nicht mehr arbeiten lassen, weil schon jedes Umblättern Schaden anrichtet. Was aber bedeutet es für die Forschung, wenn schriftliches Kulturgut nicht mehr benutzbar ist? Auch die Charité hat sich diese Frage gestellt und einen aufwendigen Rettungsversuch begonnen. Mit Geld der KEK wurde zunächst ein einzelner, besonders stark beschädigter Band von 1876 wiederhergestellt. Zum Einsatz kam dabei das Papierspaltverfahren: Eine Buchseite wird zwischen zwei mit Gel bestrichene Trägerpapiere gelegt und gepresst; zieht man diese anschließend auseinander, teilt sich das Blatt in zwei Hälften. In die Mitte kommt ein hauchdünnes Papier, dann wird alles wieder zusammengefügt. Das Original behält auf diese Weise seinen Charakter, und zugleich ist das Papier entsäuert.

Inzwischen hat sich das Medizinhistorische Museum entschlossen, die Digitalisierung der restaurierten Protokolle zu bezahlen; auch das hilft, die Bände zu bewahren. Ein Allheilmittel ist die Digitalisierung dennoch nicht. Viele Bücher sind bereits so angegriffen, dass man sie nicht mehr unbeschadet aufschlagen und auf einen Scanner legen könnte. Vor allem aber braucht die Forschung häufig zwingend das Original, etwa wenn ein Wasserzeichen im Papier untersucht werden soll. Erst das Zusammenspiel von Papier, Handschrift, Typografie und Einband macht eine Stadtgründungsurkunde oder ein Tagebuch zu einer wirklich ergiebigen Quelle.

Beispiel (01) Das Budget des Kulturstaatsministers wurde wegen der Einrichtung der KEK aufgestockt. → Text sagt dazu nichts

Beispiel (02) Für die Schadensbehebung in Weimar und Köln werden rund 200 Restauratoren gebraucht. → Nein

21 Die KEK soll Vorschläge machen, wie Bücher besser erhalten werden können.

22 Eine früher gebräuchliche Tinte bremst die Alterung des Papiers.

23 Untersuchungen belegen, dass vor allem ältere Bücher von Schimmel befallen sind.

24 Durch den Zusatz säurehaltiger Stoffe wurde die Papierherstellung teurer.

25 Die meisten von der KEK geförderten Vorhaben stammen aus der Medizingeschichte.

26 Virchow bestätigte mit naturwissenschaftlichen Untersuchungen eine Theorie seiner Assistenten.

27 Die Ledereinbände der Protokolle zerfallen, weil sie häufig benutzt wurden.

28 Das Papierspaltverfahren kam an der Charité zum ersten Mal überhaupt zur Anwendung.

29 Erst die Trägerpapiere machen es möglich, das Originalblatt zu teilen.

30 Wenn Schriften nur digital vorliegen, sind die Erkenntnismöglichkeiten der Forschung eingeschränkt.

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