← Zurück zur Liste

ECL - C1 - Lesen Teil 2 - Wie der Name unser Leben bestimmen kann

Sie interessieren sich für die Erkenntnisse der Forschung über das Alltagsleben in Deutschland. Zu dieser Thematik haben Sie jetzt im Internet folgenden Artikel gefunden. Lesen Sie den Text und beantworten Sie danach die Fragen kurz, in Stichworten.

Wie der Name unser Leben bestimmen kann

Nomen est Omen - Name ist Schicksal. Das ist bis heute ein Sprichwort, das jeder Deutsche kennt. Aber stimmt es auch? Schon Anfang des 20. Jahrhunderts beobachteten Wilhelm Stekel und Karl Abraham, dass die Probleme ihrer Patienten zu ihren Namen passten. Und die beiden Wissenschaftler behaupteten (ohne Beweise zu haben), dass unser Name irgendwie wichtig für unsere persönliche Entwicklung sei. Erst fast ein Jahrhundert später gab ihnen die Statistik recht. Denn 1999 untersuchten Wissenschaftler aus San Diego männliche Amerikaner, deren Initialen hoffnungsvolle Gedanken erzeugen - J.O.Y. (Freude) zum Beispiel. Das Ergebnis war eindeutig: Die Personen mit solchen Namen werden etwa vier Jahre älter als die anderen.

Die Mehrheit der Menschen trägt natürlich neutrale Namen. Leben sie also, ohne dass ihr Name sie beeinflusst? Wohl nicht. Der Sozialpsychologe Bert Päler untersuchte berufliche und private Datensammlungen seines Wohnortes nach Fakten. Und auch er erkannte, dass der Name häufig die Richtung im Leben bestimmt. Päler vertrat die Meinung, dass sich der Mensch zu allem hingezogen fühle, was ihn an seinen Namen erinnert. Das heißt zunächst, dass die meisten Menschen andere Leute mit gleichem oder ähnlichem Namen mögen. Ein Herr Schmidt heiratet eine Frau Schmidt - ungefähr doppelt so häufig, wie man es erwarten könnte. Und den Einfluss des Namens konnte er auch für die Wahl des Wohnortes und die Berufswahl nachweisen. Und noch etwas fand der Psychologe heraus: Männer lassen sich etwas häufiger von ihrem Familiennamen leiten, das weibliche Geschlecht eher von dem Vornamen.

Schon bei den frühen Völkern bildeten Namen und Person eine Einheit. Oft entsprach der Name einem besonderen Wunsch: Im alten Griechenland nannten Eltern, die sich von ihrer Tochter zum Beispiel wünschten, sie möge „fleißig wie eine Biene" werden, das Mädchen „Melissa". Und der Name ist heute noch beliebt.

Welchen Einfluss der Name auf die Entwicklung eines Menschen haben kann, zeigt auch eine aktuelle Studie, die unter deutschen Pädagogen durchgeführt wurde. Auch hier zeigte sich: Die Trennung von Name und Person ist alles andere als einfach. In ihrer Master-Arbeit hat Julia Kube jetzt Grundschullehrer in Köln zu ihren Namensvorlieben interviewt. Dabei sollten die Lehrer verschiedene Namen bewerten. Nach der Sichtung der Antworten von 500 Pädagogen stellte Kube fest: Grundschullehrer halten Kinder mit Namen wie „Kevin" oder „Chantal" für weniger leistungsstark als eine „Sophie" oder einen „Alexander". Schon der Name zeigt nach Lehrermeinung den sozialen Status eines Kindes. Das Problem der Gleichberechtigung taucht also schon auf, wenn Lehrer nur die Klassenliste in die Hand nehmen. In deutschen Schulen herrschen bisher Vorurteile, die unbedingt einmal hinterfragt und verkleinert werden sollten.

Und das wäre nur ein erster Schritt, denn die Unterschiede lassen sich auch nach der Schulzeit verfolgen. Zum Beispiel bleiben deutschsprachige Singles lieber allein, als einen Kevin kennen zu lernen. Das haben Psychologen von der Humboldt-Universität Berlin gezeigt. Die Forscher untersuchten in einer Online-Plattform für den deutschsprachigen Raum, wie manche Vornamen die Kontaktaufnahme erleichtern. So bekamen zum Beispiel Männer, die „Alexander" heißen, 102 Prozent mehr Aufrufe als solche, deren Name „Kevin" lautet. Da den Nutzern sonst außer Alter und Wohnort keine weiteren Informationen zur Verfügung standen, werten die Psychologen die Ergebnisse als starken Hinweis auf die Wirkung der angegebenen Vornamen.

1 Wodurch wurde die These von Stekel und Abraham belegt?

2 Wie ist die Lebenserwartung der Menschen mit optimistischen Initialen?

3 Bei welchen Entscheidungen spielt der Name laut Päler eine Rolle?

4 Warum richten sich Frauen des Öfteren nach ihrem Vornamen?

5 Was brachte man in der Antike durch die Namenswahl zum Ausdruck?

6 Worin bestand die Aufgabe der befragten Pädagogen?

7 Worauf lässt laut Untersuchungsergebnissen der Vorname eines Kindes schließen?

8 Was müssten deutsche Grundschullehrer abbauen?

9 Welche Personen untersuchte die Berliner Studie?

10 Welche persönlichen Daten kannte man bei der Studie der Humboldt-Universität?

← Zurück zur Liste