Lesen Sie den Text und die Aufgaben 18-24. Kreuzen Sie bei jeder Aufgabe die richtige Lösung an.
Gold aus dem Rhein
So richtig gern spricht keiner der Beteiligten über das Thema. „Der Mythos Rheingold wird immer wieder strapaziert", sagt Markus Schumacher vom Bundesverband der Deutschen Kies- und Sandindustrie. „Für unsere Industrie ist das aber nicht unbedingt ein Vorteil." Der Mineraloge befürchtet „unschöne Nebeneffekte": So könnten beispielsweise die Grundstückspreise am Rhein steigen, wenn der Eindruck entsteht, dass in den Kiesgruben nahe der Ufer Goldreserven schlummern. Und einig ist man sich auch nicht: Ist es nun tatsächlich wirtschaftlich interessant, mit aufwendigen neuen Technologien Gold aus dem Rhein zu filtern - oder ist auch das nur ein Mythos?
„Bei einem Fluss, der in solchen Gebieten wie der Rhein zu Hause ist, kann man davon ausgehen, dass er Gold führt", sagt Markus Wagner von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. Das Flusswasser wäscht reine Goldklümpchen aus den Gebirgen aus, die durch die Reibung am Boden des Rheins im Laufe der Zeit zu winzigen, dünnen Blättchen, das heißt zu Goldflittern werden. Die Flitter sind so leicht und fein, dass sie vom Wasser bis nach Speyer, Mainz und weiter den Rhein hinabgetragen werden. Dieses Gold lässt sich dem Fluss auch wieder entziehen - ohne professionelle Tricks ginge dies allerdings nur in mühsamer Kleinarbeit mit Sieben und Pfannen. Deshalb versuchen Ingenieure und Geologen mit modernen Methoden, dem Fluss sein Gold abzuringen. Sie wollen nicht erst warten, bis das Rheinwasser die Goldvorräte großflächig verteilt. An Kiesgruben, in denen maschinell am gesamten Flusslauf Sand und gröbere Steine getrennt werden, wird das Gestein ohnehin systematisch nach seiner Größe sortiert. Dabei wird dann die feinste Sorte Sand automatisch nach Goldpartikeln durchsucht.
Südlich von Speyer hat man sich vor anderthalb Jahren dazu entschieden, dem Gold eine Chance zu geben. Seitdem läuft hier eine Anlage zur Goldgewinnung, die den täglich geförderten Sand auf das Edelmetall überprüft - das erste Großprojekt zur Ernte von Rheingold seit dem Zweiten Weltkrieg. Hermann Wotruba von der Technischen Hochschule Aachen war an der Einrichtung der Anlage beteiligt. „Das Projekt ist durchaus wirtschaftlich interessant, aber nicht so sehr wegen des weltweit steigenden Goldpreises", sagt der Ingenieur. Die genaue Größenordnung der Goldausbeute soll geheim bleiben. Die geförderte Goldmenge im Jahr würde sich eigentlich nicht lohnen, meint Wotruba. Aber für unser Gold wird mindestens der dreifache Preis gezahlt. „Man kauft sich eben den Mythos dazu."
Dass ein sagenhafter Goldschatz im Rhein versenkt liegt, wird schon im Nibelungenlied besungen und regt seit Jahrhunderten die Fantasie der Menschen an. Um Gold geht es auch in der Oper „Das Rheingold" von Richard Wagner. Sie bewegt insbesondere die japanischen Fans des Komponisten Richard Wagner dazu, hohe Summen für Schmuck aus gerade diesem Gold auszugeben - auch wenn es sich bei dem Edelmetall aus dem Rhein um natürliches Gold und nicht um Reste besagter Juwelen handelt, die in Richard Wagners „Rheingold" besungen werden. Hermann Wotruba schätzt jenseits aller Mythen einen ganz anderen Aspekt des Goldes aus dem Rhein: „Die Anlage läuft komplett mechanisch, deshalb ist das Gold ökologisch unbedenklich." In zwei Schritten wird das Gold von Kies und Sand getrennt. Zunächst trennt eine Zentrifuge die winzigen Goldpartikel, die meistens kleiner als ein halber Millimeter sind, auch von noch so feinen Kies- und Sandpartikeln. „Das Rheingold ist extrem blättchenförmig durch den langen Transport von den Alpen", sagt Wotruba. „Es ist hauchdünn ausgewalzt und verhält sich sozusagen wie ein Blatt im Wind, wenn es von den Wasserströmungen bewegt wird." Deshalb ist der Zentrifuge sicherheitshalber ein feinfaseriger Teppich nachgeschaltet, in dem auch die letzten Goldflitter aus dem Rheinwasser hängen bleiben. Ein rein mechanisches Trennverfahren.
Auch die am Rhein ansässigen Goldwäscher des 18. und 19. Jahrhunderts konnten nicht von ihren Goldfunden leben, die sie dem Fluss mithilfe von Waschbänken abrangen. Deshalb verkauften sie zusätzlich Streusand aus dem Rhein. Den dunklen Sand schüttete man früher über frisch fertig gestellte Schriftstücke, damit die Tinte rascher trocknete. Mit der Erfindung des Löschpapiers wurden die Goldwäscher endgültig arbeitslos, ihr Beruf verschwand. Rheingold in jeder Form war allerdings schon immer eine zweischneidige Angelegenheit, bei der Erfolg und Mühsal sehr dicht zusammenlagen. Richard Wagner komponierte seine Oper „Das Rheingold" Ende 1853 innerhalb weniger Monate. Dieser Oper verdanken die Goldvorkommen des Rheins immerhin einen Gutteil ihres heutigen Kultstatus. Als er das Werk im Januar 1854 vollendet hatte, schrieb er seinem Freund Franz Liszt: „Das Rheingold ist fertig, aber ich bin auch fertig."
18. Was befürchtet Markus Schuhmacher?
19. Wie wird das Gold heute gewonnen?
20. Warum lohnt sich der Goldabbau am Rhein?
21. Was ist mit dem Mythos vom Rheingold gemeint?
22. Warum ist die Gewinnung des Rheingolds umweltschonend?
23. Wozu benutzte man bis ins 19. Jahrhundert Streusand?
24. Der Text beschäftigt sich unter anderem auch mit den
