Sie finden unten einen Lesetext. Dieser Text hat fünf Lücken (Aufgaben 13-17). Setzen Sie aus der Satzliste (A-G) den richtigen Satz für jede Lücke ein. Zwei Sätze bleiben übrig.
A Er kann sich auf mehrere Studien berufen, wonach Gedächtnisübungen nur den geübten Gedächtnisleistungen zugute kommen.
B Diesen Zusammenhang konnte er in mehreren Studien nachweisen.
C Dann wird der Reihe nach jeder Punkt der Rede bildlich mit einem Ort der Route verknüpft.
D Richtig auf Touren kommt das Gedächtnis auch durch Bewegung.
E Denn Gedächtnisvirtuosen haben, wie wissenschaftliche Untersuchungen ergaben, in der Regel ein ganz normales Gehirn.
F Schließlich ist ein gutes Gedächtnis vor allem eine Frage der Übung.
G Menschen können in Form von Bildern Erinnerungen verblüffend gut speichern.
Wie sich das Vergessen bremsen lässt
Bereits seit der Antike beherrschen Menschen Techniken, mit denen sie sich Gelerntes besser merken können. (0) Als besonders gute Gedächtnisstütze haben sich Bilder erwiesen. Aber wer seinen Geist fit halten möchte, trainiert am besten auch den Körper.
Der deutsche Gedächtnismeister Gunther Karsten kann sich in einer Stunde eine Zahl mit 2000 Stellen einprägen. Sein britischer Konkurrent Dominic O'Brien liest die Antworten auf 7500 Trivial-Pursuit-Fragen einmal durch und hat sie fortan parat. Diese beiden sind sicher Ausnahmekönner. Aber nichts spricht prinzipiell dagegen, dass auch Normalvergessliche nach jahrelangem Training solche Kunststücke hinbekommen könnten. (13) Sie benutzen es nur anders, als es sonst üblich ist.
Die Merkkünstler wenden eine besondere Lernmethode an. Entdeckt hat diese Mnemotechnik der Sage nach der griechische Dichter Simonides von Keos um das fünfte Jahrhundert vor Christus. Seine Lehre gilt bis heute: (14) Und eine Bilderinnerung verbindet sich leicht mit einem bestimmten Ort, wie etwa dem Platz an einer Festtafel. Auf diesen Erkenntnissen beruht die Methode der Orte.
Wer mit ihrer Hilfe beispielsweise eine Hochzeitsansprache verinnerlichen will, muss sich zunächst eine beliebige bekannte Route genau einprägen, etwa einen Gang durch das eigene Büro. (15) Das erste Treffen des Hochzeitspaares etwa mit dem Schreibtisch, zu dem man sich vorstellt, dass das Paar darauf steht und sich die Hand reicht usw. Während des Vortrags schreitet der Redner im Geist seine Route ab und weiß, worüber er als Nächstes sprechen wollte. Mnemotechniken stützen sich auch auf Bilder. Das englische „bile" beispielsweise wird wie das deutsche „Beil" ausgesprochen und bedeutet „Galle". Darum empfiehlt Karsten als Merkszene einen wutschnaubenden Mann, dem die Galle überläuft und der mit einem Beil herumtobt.
Dennoch bleiben manche Forscher skeptisch. Hans Förstl etwa, Leiter der Psychiatrischen Klinik der Technischen Universität München, bezweifelt, dass Mnemotechniken das Gedächtnis im Alter generell verbessern. (16) Alles andere wird genauso schnell vergessen wie vor dem Training. Außerdem lasse sich nicht das gesamte Erinnerungsvermögen auf Merkbilder umstellen, gibt Förstl zu bedenken.
Doch in einigen Untersuchungen halfen Mnemotechniken, das Gedächtnis auch generell zu verbessern, beispielsweise in der amerikanischen „Active"-Studie. Über 700 Senioren absolvierten dabei zehn Trainingssitzungen. Sie legten immerhin so viel an Merkleistung zu, wie normalerweise in sieben Jahren verloren geht.
Übung und die richtige Technik sind aber nicht die einzigen Faktoren, die die Gedächtnisleistung verbessern. (17) In jüngster Zeit haben Wissenschaftler eine Fülle von Hinweisen gesammelt, dass Ausdauersport den mit dem Altern einhergehenden Verlusten an kognitiver Vitalität entgegensteuert. Im „bewegten" Gehirn sprießen zusätzlich feinste Blutgefäße, welche mehr Sauerstoff und Nährstoffe heranschaffen. Körperliche Aktivität reduziert den schleichenden Neuronenschwund. Als Ergebnis arbeitet das Gehirn effizienter und reagiert plastischer.
