Sie finden unten einen Lesetext. Dieser Text hat fünf Lücken (Aufgaben 13-17). Setzen Sie aus der Satzliste (A-G) den richtigen Satz für jede Lücke ein. Zwei Sätze bleiben übrig.
A Ankunfts- und Abflugzeiten lassen sich bei manchen Arten relativ exakt vorherbestimmen.
B Einige mitteleuropäische Zugvögel fliegen später oder gar nicht mehr weg.
C Aber auch noch nie waren Zugvögel so stark gefährdet wie heute.
D Auch Stürme oder Hagelschauer können ein Zugvogelleben dramatisch beenden.
E Deshalb müssen die Wissenschaftler den Tieren mit Auto und Flugzeug folgen.
F Die Versuche ergaben bald, dass der Zeitpunkt des Abflugs, die Flugdauer und Flugrichtung bei Zugvögeln genetisch festgelegt sind.
G Heute erscheinen seine Theorien skurril, doch damals waren die Erkenntnismöglichkeiten eng begrenzt.
Nomaden der Lüfte
Im Frühjahr und Herbst zeigt sich Jahr für Jahr das gleiche Schauspiel am Himmel: Riesige Vogelscharen begeben sich wieder auf Reisen. (0) Schätzungen zufolge sind pro Jahr weltweit 50 Milliarden Vögel als Zugvögel unterwegs. Manche legen dabei nur mehrere hundert Kilometer zurück, andere hingegen ziehen über 20.000 Kilometer weit, überqueren ganze Kontinente, Wüsten und Meere, oft ohne eine Rast einzulegen.
Vor allem Insektenfresser ziehen im insektenfreien Winter aus Mitteleuropa fort und dorthin, wo das Nahrungsangebot gerade günstig ist, zum Beispiel nach Westafrika. Die weite Reise ist mit vielen Gefahren verbunden. Wer nicht genug Fett gespeichert hat, erreicht sein Ziel nicht immer. (13) Außerdem gehen vom Menschen Bedrohungen aus, etwa durch Jagd oder Zerstörung der Lebensräume. Von den 2 Milliarden Vögeln, die zum Beispiel die Sahara überqueren, sterben 80 Millionen, bevor sie an ihrem Ziel ankommen.
Faszinierend ist der außergewöhnliche Orientierungssinn der Zugvögel. Selbst in einer unvertrauten Umgebung verirren sie sich nie. Auch Unpünktlichkeit ist ihnen fremd, weshalb sie als Meister der räumlichen und zeitlichen Präzision betrachtet werden. (14) Die meisten finden auch ihre Ziele punktgenau wieder.
Übrigens sind Zugvögel schon in der Antike auf Interesse gestoßen. Der Philosoph und Naturkundler Aristoteles erhob die Vogelkunde in den Rang einer Wissenschaft. Er stellte unter anderem die Hypothese auf, dass die Vögel schlafend am Grunde eines Sees überwintern. (15) In der Antike war es unüblich, weite Reisen zu unternehmen, auf denen man Vögel in anderen Ländern hätte beobachten können. Erst am Ende des 19. Jahrhunderts kam es zu einer systematischen Erforschung des Vogelzugs.
Inzwischen bedient man sich bei der Zugvogelforschung neuester Technologien, etwa des Radars und der Funkpeilung. Die Reichweite dieser Techniken ist allerdings begrenzt. (16) Immer wieder kommt es dabei vor, dass die Vögel aus dem Messbereich hinausfliegen. 1990 ereignete sich ein Durchbruch in der Vogelzugforschung. Die Peilsender waren nun so winzig und leicht, dass man sie auch Vögeln auf den Rücken schnallen konnte. Die Antenne des „Sender-Rucksacks" ist permanent in Verbindung mit vier Satelliten, die in ca. 850 Kilometer Höhe die Erde umkreisen.
Nie zuvor wurden so viele neue Erkenntnisse über Zugvögel gewonnen wie in den letzten Jahrzehnten. (17) Abgesehen von ihrer Bedrohung durch den Menschen bleibt nämlich auch die globale Klimaerwärmung für den Vogelzug nicht ohne Folgen. Wenn die Tendenz zur Klimaerwärmung anhält, könnte sich innerhalb von 15 Jahren noch einiges bei den Zugvögeln ändern.
