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DSD II - C1 - Leseverstehen Teil 2 - Alltag eines blinden Lehrers

Lesen Sie den Text und die Aufgaben (6-12). Kreuzen Sie bei jeder Aufgabe an: „richtig", „falsch" oder „Der Text sagt dazu nichts".

Alltag eines blinden Lehrers

Wenn er die Schule betritt, geht ein Kribbeln durch Martin Schneiders Bauch. Das ist die positive Anspannung, die einsetzt, sobald die Schultür hinter ihm zufällt und er mit seinem Blindenhund Rex in die Masse aus Schülern und Lehrern hineingezogen wird. Die beiden machen sich den Weg ins Klassenzimmer frei.

Die erste Stunde beginnt. Geografieunterricht in der Sieben. „Hier!" ruft ein Junge. Schneider wirft einen kleinen Ball in die Richtung, aus der die Stimme kommt. Der Schüler fängt, spricht und wirft den Ball zum nächsten Schüler. „Der Meldeball ist nur einer seiner Tricks", sagt er: „Er hat ein Handy, das uns seine Notizen vorliest! Und einen iPod, auf den wir ihm unsere Namen gesprochen haben. Und er konnte unsere Stimmen schneller zuordnen als andere Lehrer unsere Gesichter."

Für das Faust-Gymnasium ist die Anstellung eines blinden Lehrers ein Experiment. Ein blinder Lehrer - das konnte sich selbst an dieser lebendigen, modernen Schule keiner der Lehrer vorstellen. Wie soll er sich in dem verwinkelten Gebäude zurechtfinden, wie den Unterricht im Fach Geografie erteilen? Martin Schneider hat diesen Bedenken viel entgegenzusetzen: Durchs Klettern, Wandern und Paddeln hat er eine sportliche Figur. Er orientiert sich beim Sport an Geräuschen des Wassers und der Natur. Man merkt, dass er die Landschaft spürt. Mit Reliefkarten, Sturheit und Begeisterung hat er sich durch sein Studium gearbeitet.

Geschichten von blinden Menschen, die an regulären Schulen arbeiten, sind selten. Die Frage, warum Martin Schneider nicht an eine Blindenschule gegangen sei, hört er auch heute noch gelegentlich. „Wir sind als Blinde Teil dieser Gesellschaft", sagt er, „und ich will das auch beruflich ausleben. Ständig wird davon ausgegangen, dass wir in einer anderen Welt leben. In Wirklichkeit unterscheidet sich unser Alltag wohl kaum."

Für organisatorische Fragen, die blinden Lehrern den Alltag erschweren, hat man Lösungen gefunden: Sie unterrichten immer im selben Klassenzimmer. Große Schülergruppen werden in ihrem Unterricht geteilt. Aber ansonsten sind blinde Lehrer vollwertige Arbeitskräfte. Lediglich ein kleines Problem gibt es mit den Klassenarbeiten. Hier bekommt Martin Schneider Hilfe. Ein Assistent unterstützt ihn, allerdings rein organisatorisch: Er muss nur die Klausuren in den Computer übertragen. Den Rest erledigt Martin Schneider ganz alleine. Ansonsten gibt es keine weiteren Unterschiede zu den sehenden Kollegen. Blinde Lehrer sind vollwertige Arbeitskräfte.

Für Martin Schneider ist es wichtig, dass er bei allen schulischen Angelegenheiten die Kontrolle behält und möglichst normalen Unterricht macht. Es gelingt ihm gut, denn in seinem Unterricht gibt es keine Disziplinprobleme. Das liegt nicht daran, dass Herr Schneider ein blinder Lehrer ist, dem man das Unterrichten nicht schwer machen darf, sondern daran, dass er ein guter Lehrer ist, bei dem man gerne mitarbeitet.

Der langfristige Effekt auf die Schüler ist nicht zu unterschätzen. Schließlich steht da jeden Tag jemand vor jungen Menschen und zeigt ihnen, dass man sich durch schwierige Situationen durchboxen kann, wenn man nur will.

6. Schüler begleiten Martin Schneider zum Klassenraum.

7. Herr Schneider verwendet im Unterricht sein Handy.

8. Die Kollegen waren sich sicher, dass Martin Schneider problemlos unterrichten kann.

9. Martin Schneider hat lange gebraucht, um sich im Gebäude des Faust-Gymnasiums auszukennen.

10. Sehende und blinde Menschen leben laut Schneider in getrennten Welten.

11. Martin Schneider benotet die Klassenarbeiten zusammen mit einem Assistenten.

12. Die Schüler stören den Unterricht von Herrn Schneider nicht, weil sie auf ihren blinden Lehrer besondere Rücksicht nehmen.

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