Johannes Hinterberger

Eine Sache der Leidenschaft
Deutsch-Trainer, sowie Deutsch-als-Fremdsprache- bzw. Deutsch-als-Zweitsprache-Dozent (DaF-/DaZ) zu sein, ist eine meiner größten Leidenschaften.
Ich unterrichte Lernende aus aller Welt. Meine Faszination gilt vor allem den Missverständnissen, die aufgrund der Kommunikation entstehen können. So schätze ich mal, dass genau das einer der Gründe sein muss, wieso mich im Speziellen die Grammatik der deutschen Sprache und die Möglichkeiten zur differenzierten Ausdrucksweise fesseln.
Meine Teilnehmenden merken schnell, dass ich die Strukturen der deutschen Grammatik auf eine Art und Weise betrachte, die nicht immer mit den klassischen Lernmaterialien übereinstimmt.

Für mich beginnt beispielsweise eine Frage, die man mit ja oder nein beantworten kann, nie an der Position 1, sondern immer an der zweiten Position. Es fehlt eben einfach mal die Position 1, die nur bei Fragen vorkommt, die man nicht mit ja oder nein beantworten kann. Als jemand, der auch die eine oder andere Programmiersprache beherrscht, sehe ich Strukturen oft "meta-metasprachlich". Zum Leidwesen mancher Kolleginnen. sorry.
Doch wie hat alles begonnen?
Vor ungefähr 13,768 Milliarden Jahren, etwas mehr oder weniger, die Wissenschaft streitet da sehr gerne herum (Ich werde einen Teufel tun, und mich da einmischen!), soll das Universum entstanden sein, oder von Gott erschaffen worden sein. Es ist seit diesem Zeitpunkt allemal ziemlich viel passiert.
Jedenfalls haben sich eines Tages meine Eltern kennengelernt. Zunächst kamen meine beiden Geschwister zur Welt. Einige Zeit später ich. Als Baby plärrte ich bestimmt viel herum. Meine Kindheit verbrachte ich glücklich in einer sogenannten Marktgemeinde, die – während ich dort aufwuchs – zur Stadt erklärt wurde. Dort besuchte ich die Grundschule (die sogenannte Volksschule und die Musikhauptschule), sowie die Handelsschule. Es war sofort klar, dass ich unbedingt Sekretär werden will, da mich die Alternative Elektriker, die ich während der Handelsschule als Ferialjob ausprobiert hatte, einfach nicht angeturnt hatte. Doch, wie das Schicksal es so wollte, kam alles anders.

Als ich mein erstes Dienstverhältnis angetreten hatte, war ich überglücklich. Es gab dort für ganz einfache Tätigkeiten völlige Überbezahlung. Damals arbeitete ich als "Assistance of the Assistance of the Area Manager West" für "Die Gelben Seiten" in Salzburg. Dies wurde noch besser, als die "Assistance of the Area Manager West" kündigte, und ich ihre Stelle bekam. Ein paar Jahre später wurde mir diese Tätigkeit zu langweilig. Ich konnte gut nachvollziehen, wieso die "Assistance of the Area Manager West" gegangen war.
Wunsch nach Veränderung
Ich sehnte mich nach einer Veränderung. Nach wildem Jobben und einer wirklich extremen Phase (ja, ich weiß oft wovon ihr redet) arbeitete ich für ein Versandhaus. Zunächst im Call-Center und dann im Marketing. Ich hatte einen Firmenwettbewerb gewonnen, bei dem es um eine kreative Idee ging und deshalb das Angebot erhalten, zu wechseln.
Gerne habe ich diese Chance angenommen. Dort entdeckte ich meine Leidenschaft für technische Strukturen und dem sogenannten Listbroking, das im Volksmund auch als Adressen-Verkauf bezeichnet wird, obwohl das so nicht ganz zutrifft. Im Unternehmen lernte ich SAS (Statistic Analyzing System) und damit verbunden SQL und in meiner Freizeit wollte ich alles zu HTML wissen. Ein paar Jahre später machte ich mich mit einer Multimedia-Agentur selbstständig. Da kam es auf die richtige Kommunikation an; Marktkommunikation.
Neben der Multimedia-Agentur, die von Webseiten, aber auch klassischer Werbung bis hin zu Events so ziemlich alles organisiert hat, hatte ich damals noch einen kleinen Treffpunkt eröffnet, welcher eine Lücke schloss, den mein damaliger Wohnort in Kärnten, unbedingt gebraucht hatte (Copy-Shop + Internet-Terminals).

Eines meiner damaligen Internet-Projekte (siehe Bild, nach kurzer Zeit hatte es ca. 1350 Mitglieder) hatte kurz vor dem Zusammenbruch sogar fast 80.000 Nutzer*innen, und das zu einer Zeit, in der kaum jemand einen eigenen Internetanschluss hatte, oder es sowas wie Facebook überhaupt gab. Zu der Zeit hatte ich deshalb auch beschlossen, einen weiteren Treffpunkt in einem anderen Ort zu eröffnen.
Wenn ein Menschenhändler dazwischen kommt...
Leider hatte ich mich damals für einen Ort entschieden, dessen Vermieter sich als Menschenhändler und (zwischenzeitlich verurteilter) Mörder herausgestellt hatte. In dieser Zeit habe ich alles verloren, was man an (weltlichen) Besitztümern verlieren kann. Die Agentur, die Treffpunkte, die Geschäfte.
Das Schlimmste war, dass ich von dem Menschenhändler, weil ich über die Umstände Bescheid wusste, quer durch Österreich verfolgt wurde. So war ich auf der Flucht, und kann heute gut nachvollziehen, wie es vielen Deutschlernenden geht, die in ihren Heimatländern von Aggressoren verfolgt werden und wurden.
Zwei Jahre lang konnte ich kaum einen Finger rühren, oder mich in der Öffentlichkeit bewegen. Zu groß war die Angst vor der Verfolgung.

Die Polizei war zunächst untätig, doch am Ende dieser zwei Jahre (2010) kontaktierte mich ein Kriminalbeamter zwecks einer Befragung. Vertrauen konnte ich ihm nicht. Nur unter extremen Sicherheitsvorkehrungen war ich bereit, mich mit ihm zu treffen.
Zum Glück hatte ich nach dem Gespräch mit dem Beamten die Möglichkeit, meine Angstzustände zu bekämpfen. Schritt für Schritt habe ich damit begonnen, mich wieder bzw. neu zu orientieren. Bored-out-Syndrom lautete die Diagnose zum damaligen Zeitpunkt. Ein Zustand der selbst heute noch sehr gefährlich für mich ist: Die Angst aus Langeweile zu sterben. Jegliche Routine könnte für mich tödlich sein.
Ein Gefühl der Sinnlosigkeit?
Mein Kampf gegen die Sinnlosigkeit hatte nun offenbar begonnen. Anfangs beschäftigte ich mich viel mit dem Sinn und dem Unsinn des Daseins, aber auch des Wegseins.
Ich registrierte mich hochoffiziell als freischaffender Künstler, welcher den Sinn und Unsinn des Daseins betrachtet. Ich schrieb mich auf dem Abendgymnasium ein, um auf andere Gedanken zu kommen.
Leider stieß ich dort auf Strukturen, die so taten, als gäbe es keine modernen Medien, wie das Internet. Fragen, im Speziellen das Nachfragen zu Aufgabenstellungen/Vorgaben, waren unerwünscht. Aus heutiger Perspektive habe ich dort gelernt, wie ich als Lehrkraft keinesfalls sein möchte.

Das Abendgymnasium war auf 8 Semester ausgelegt. In den ersten zwei Semestern hatte ich die Hälfte aller Module absolviert. Als man mich gebeten hatte, das langsamer anzugehen, wurde mir das zu langweilig, deshalb machte ich in 3 Wochen jene Zusatzprüfungen, welche für ein Multi-Media-Art-Studium, das ich mir unbedingt eingebildet hatte, notwendig waren. Auch das hielt ich nicht aus:

Es ging dort nicht um Art, auch nicht um Multi-Media. Es ging dort um Werbung (die Agentur hatte ich jedoch schon hinter mir gelassen, ich hatte keine Lust mehr, Menschen Produkte an den Kopf zu lügen) und um Arbeitsbienen mit akademischem Grad, welche als Erfüllungsgehilfen der Film-, Werbe- und Marketing-Industrie Befehle auszuführen haben, und deren Kreativität von der Laune eines Vorgesetzten, nicht jedoch von Auftraggeber*innen, abhängig ist. Grundsätzlich ist das bestimmt ein spannendes Feld, aber für mich war das nichts (mehr). So sehnte ich mich erneut nach einem Tapetenwechsel.
Eine neue Tapete
Als ich mich von der University Of Applied Sciences verabschiedet hatte, stieß ich auf ein Inserat des Bildungsförderungsinstitutes (BFI) in Salzburg, worauf Werbung für einen Diplomlehrgang zu sehen war.
Zunächst sah ich das bezüglich des Diplomlehrgangs gar nicht, mir stach einfach nur der Name der Dozentin ins Auge. Sie war die Dozentin für Deutsch, als ich die Zusatzprüfungen gemacht hatte. Ich interessierte mich näher für das Angebot und stellte fest, dass es um Deutsch als Fremdsprache und Deutsch als Zweitsprache ging.

Beim näheren Durchlesen der Programmpunkte für den Diplomlehrgang entdeckte ich mehr und mehr Themenfelder, die mich faszinierten. Ich konnte all das bisher Gelernte und Erlebte kombinieren und einbringen, nachdem ich mich angemeldet hatte.
Spoiler: Mit "und Team" bin mittlerweile auch ich gemeint. ☺️
Deutschkurse im Fernsehen, auf YouTube, auf Facebook und anderswo...
Nach Abschluss des Diplomlehrgangs kam es zu interessanten, neuen Möglichkeiten.
Gerhard und ich gestalteten für Teilnehmende einen B1-Kurs (Staffeln: B1.1 und B1.2), welcher im Fernsehen ausgestrahlt wurde, außerdem gründete ich einen YouTube-, sowie einen Facebook-Kanal. Pro Woche gibt es einige Möglichkeiten an öffentlichen Unterrichtsstunden gratis teilzunehmen, die aus privater Tasche finanziert werden.

Manche Nutzer sind Kanalmitglieder auf YouTube und helfen dabei mit, dass ich die Gebühren für das Internet bezahlen kann. Wöchentlich werden hunderte Texte korrigiert und Menschen aus aller Welt beim Lernen unterstützt. Mittlerweile gibt es auch die Möglichkeit an Privatstunden teilzunehmen (kostenpflichtig).
Ob Mediengestaltung oder Unterricht, zwischenzeitlich hat man auch Interesse daran, meine Sicht aus dem wissenschaftlichen Kontext zu betrachten:

Außerdem wurde mir für ein multimediales Kunstprojekt der Preis "Sprachlos durch Migration" von der Stadt Salzburg und der pädagogischen Hochschule (PH Stefan Zweig) verliehen:

Originalbeitrag von Lisa Gold abrufen
Hier kannst du den Film sehen, der ausgezeichnet wurde:
Sich mit dem Thema Sprachlosigkeit auseinanderzusetzen hatte mir gezeigt, wie sehr mich das alles auch selbst betroffen hatte. Es war für mich persönlich ein unglaublich wichtiges Projekt, das dadurch eine große Wertschätzung erfahren hatte.
Dankbarkeit
All das – und noch vieles mehr – erfüllt mich mit Dankbarkeit, Freude und Glückseligkeit. Davon möchte ich gerne etwas zurückgeben. Von Zeit zu Zeit möchte ich dieses "über mich" noch erweitern. Deshalb bin ich auch sehr gespannt, was die Teilnehmenden und mich in Zukunft auf dieser Plattform alles so erwarten wird.
Für den Moment wünsche ich dir viel Spaß beim Lernen, Üben und Mitmachen!
Liebe Grüße und alles Beste,
Johannes - "JoPhi" - Hinterberger
Diplomierter DaF-/DaZ-Trainer & -Dozent
Fachgebiete:
- E-Teaching,
- E-Learning,
- Online-Unterricht (einzeln, Gruppe, Masse)
PS: Privatleben
Ja, habe ich. Wer bei meinem Unterricht teilnimmt, erfährt auch etwas davon. Pauschal einfach alles so auf einer Seite zu posten, finde ich nicht besonders toll, da ich den persönlichen Kontakt liebe.
